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COVID-19 und aktuelle Herausforderungen in Schule und Bildung

Schul-Barometer

Das Schul-Barometer in Deutschland, Österreich und der Schweiz beschäftigt sich mit der aktuellen Situation der Schulen im Rahmen eines Stimmungsbilds und möchte damit einen Beitrag zum Erfahrungsaustausch leisten.

Es wurde von Prof. Dr. Stephan Gerhard Huber lanciert, Leiter des Instituts für Bildungsma- nagement und Bildungsökonomie der Pädagogischen Hochschule Zug, Schweiz.

Befragt wurden bisher über 7‘100 Personen (Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer und wei- tere Mitarbeitende, Eltern, Schülerinnen und Schüler, Vertreterinnen und Vertreter der Schul- aufsicht/Schulverwaltung und des Unterstützungssystem).

Erste Ergebnisse liegen inzwischen vor.

Zentrale Aussagen sind:

Die Schulschließung stellt für alle Akteure im Bildungs- und Schulkontext eine sehr große Her- ausforderung dar. Die aktuelle Situation mag aber auch eine Chance erkennen lassen. Diese betrifft etwa den Bereich der Digitalisierung, der aufgrund der vorliegenden Notwendigkeit ei- nen enormen Aufschwung erlebt. Lernen mit und durch Technologie sowie über Technologie ist gefragt. Digitalisierung könnte ein Mehr an Differenzierung ermöglichen. Dieses Potenzial ließe sich jetzt und in der nächsten Phase verstärkt nutzen.

Insgesamt liegt die Vermutung nahe, dass es einen Schereneffekt gibt, bei Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie innerhalb und zwischen Schulen. Wir gehen davon aus, dass sich in Krisensituationen verschiedene Schulqualitäten deutlicher auswirken, vorhandene Unter- schiede sich noch vergrößern – z.B. hinsichtlich guten Unterrichtens bzw. der (Aus-)Gestaltung von Lehr-Lern-Arrangements, der Kooperation innerhalb der Fachschaften und Jahrgangs- teams/Stufenteams und in Gesamtkollegien, der Qualitäten von Führungspersonen. In der Konsequenz zeigen sich große Herausforderungen hinsichtlich Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. „(Bildungs-)Verlierer“ in der aktuellen Situation sind, so ist zu befürchten, wahrscheinlich Schülerinnen und Schüler aus sozio-ökonomisch (hoch) benachteiligten El- ternhäusern. Schulen mit einem hohen Anteil an benachteiligten Schülerinnen und Schülern stehen vor besonders großen Herausforderungen.

Gründe sind sicherlich ein Zusammenspiel von verschiedenen Merkmalen wie technische Be- dingungen (schlechte Austattung mit Geräten und aktueller Software), räumliche Situation (mit vielen Personen auf engem Raum), geringe zeitliche und emotionale Ressourcen der Eltern oder der Geschwister.

Daher wird nach der Wiederöffnung der Schulen eine große Aufgabe das Bemühen um eine Kompensation der Schereneffekte bei den Schülerinnen und Schülern sein.

In Betrachtung der Befunde zu den Schülerinnen und Schülern fallen zwei Gruppen auf: Die einen finden es gut, in ihrem eigenen Lerntempo und -rhythmus selbstbestimmter zu arbeiten, sie lernen nach eigenen Aussagen jetzt effektiver, kommen gut mit der Situation zurecht. Die anderen haben Probleme, u.a. im Hinblick auf die Strukturierung ihres Tages, ihrer Aufgaben und ihrer Motivation. Ihre tägliche Lernzeit liegt zudem deutlich unter dem Durchschnitt. Hier werden perspektivisch Anstrengungen der Kompensation dieser Defizite sehr bedeutsam wer- den.

In den Befunden des Schul-Barometers zeigt sich zudem eine hohe Wertschätzung und Aner- kennung gegenüber der Institution Schule und der Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer, gerade auch von den Elternhäusern. Genauer zu analysieren und zu diskutieren ist die “elterliche Lehrerrolle” und die diesbezüglichen Erwartungen der Schule, die eine am Schul-Barometer teilnehmende Lehrperson so formuliert: “Je mehr wir im Homeschooling von den Elternhäu- sern erwarten, desto größer wird die Schere am Ende sein.”

Als Perspektive für die Zeit nach der Schulschließung werden Blended learning-Konzepte und Kompensationsbemühungen eine große Rolle spielen.

Detailliertere exemplarische Analysen in Kurzform

Zum Beispiel zur Situation zuhause:

  • 31 Prozent der Eltern denken, dass es ihren Kindern nicht gefällt, früh aufzustehen und einem geregelten Tagesablauf nachzugehen. Bei den Schülerinnen und Schülern ist die- ser Anteil mit 37 Prozent etwas höher.
  • Jeweils rund die Hälfte der Befragten, insbesondere ein Drittel der Eltern, gibt an, dass es ihren Kindern nicht gelingt, sich auf die anderen Lernweisen/Lernmethoden einzulassen. Die Kinder würden zuhause selbstständig an ihren Aufgaben arbeiten, aber in der aktuellen Situation viel Unterstützung bei der Bewältigung der schulischen Aufgaben benötigen.
  • Für ein Drittel der Eltern ist es eine echte Herausforderung, ihr Kind/ihre Kinder zuhause bei den schulischen Aufgaben zu unterstützen.
  • Nur ein Viertel der Schülerinnen und Schüler lernen gemeinsam mit ihren engsten Freun- den via bspw. Telefon oder Skype.
  • Die Hälfte der Schülerinnen und Schüler geben an, dass sie beginnen, die Schule (eher) zu vermissen. Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler geben an, dass ihnen jetzt schon die Decke auf den Kopf fällt. Nach der ersten Woche war dieser Anteil etwas höher: 37 Prozent der Schülerinnen und Schüler stimmten der Aussage (eher) zu.

    Zum Beispiel zur Lehrer‐Schüler‐Kommunikation:

  • 25 Prozent der Mitarbeitenden der Schule geben an, dass etwa fünf Prozent der Schüle- rinnen und Schüler nicht erreichbar sind. Weitere 14 Prozent geben an, dass 10 Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht erreichbar sind. Nur 24 Prozent geben an, dass alle erreichbar sind. Gründe dafür werden in der offenen Frage nach der Erreichbarkeit vor allem in der unzureichenden Ausstattung mit digitalen Endgeräten in den Familien sowie in instabilen Internetverbindungen gesehen.
  • 12 Prozent der Schülerinnen und Schüler geben nach der zweiwöchigen Befragung an, dass die Absprachen mit der Lehrperson nicht gut funktionierten. Nach einer Woche waren dies noch 18 Prozent.
  • Für die Kommunikation mit Schülern ist der E-Mail-Verkehr aus Sicht aller Befragungs- gruppen das am häufigsten verwendete Medium (Schüler: 83%, Mitarbeitende der Schule: 66%, Schulleitungen: 65%, Eltern: 68%). Danach folgen in annähernd gleicher Bedeutung andere Medien (Handy, Online-Plattformen bzw. Papierausdrucke, Arbeitshefte).
  • Eltern wünschen sich für ihre Kinder bei der offenen Frage u.a. mehr Kontakt und Live- Phasen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern und den Mitschülern.

Zum Beispiel zum digitalen Unterricht:

Die technische Ausstattung:

  • Die privaten Haushalte sind offenbar gut für den digitalen Fernunterricht ausgestattet. Nur
    15 Prozent berichten von nicht ausreichender Ausstattung. Allerdings kann die Stichprobe
    auch eine Positivstichprobe sein. Wahrscheinlich gibt es hier eine Dunkelziffer.
  • In den Schulen wird deutlich häufiger von unzureichender Ausstattung berichtet (rund 45%).

Zur Lehrerprofessionalität:

  • Knapp die Hälfte der Mitarbeitenden der Schule schätzen sich als motiviert für den Einsatz
    digitaler Lehr-Lernformen ein – aus Schülerperspektive ist das nicht im selben Ausmaß der
    Fall.
  • Deutlich weniger Mitarbeitende der Schule (25%) schätzen sich als kompetent für digitalen
    Unterricht ein.

Zur Qualität des digitalen Unterrichts:

  • Potenziale des Anteils echter Lernzeit und der geistigen Aktivierung könnten noch stärker
    genutzt werden.
  • Es wird eher geringer Arbeitsaufwand für Schülerinnen und Schüler angegeben, zumindest
    für ein Drittel der Schülerinnen und Schüler, insbesondere für 18 Prozent.
  • Genauer: 32 Prozent der Schülerinnen und Schüler arbeiten 25 Stunden und mehr für schulische Belange, 68 Prozent arbeiten weniger. Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler arbeiten unter 15 Stunden in der Woche, was in einer Fünftageswoche einem durchschnitt- lichen Tagespensum von rund zwei Stunden entspricht. Oder anders: ein Drittel über 25 Stunden, ein Drittel im Durchschnitt um die 20 Stunden (zwischen 15 und 25 Stunden), ein Drittel unter 15 Stunden. D.h.: Sorgen bereitet diese letzte Gruppe, besonders die 18 Prozent mit Lern- und Arbeitszeiten unter neun Stunden.
  • Die Ergebnisse zeigen, dass kaum institutionalisierte Live-Kommunikation zwischen Lehrer-Schülern und Schüler-Schüler stattfindet.
  • Es wird wenig Individualisierung und Differenzierung forciert.
  • Etwa ein Fünftel der Schülerinnen und Schüler gibt an, dass die Absprachen mit der Lehrperson nicht gut funktionieren.
  • Dagegen ist aber – wo vorhanden – eine wertschätzende Lehrer-Schüler-Kommunikationattestiert.
  • 23 Prozent der Eltern sind (eher) besorgt über den Lernverlauf ihrer Kinder. Ein etwas größerer Anteil der Eltern, nämlich 32 Prozent, zeigt sich dagegen (eher) nicht besorgt.

Themen sind:

  • Aktuelle häusliche Lebenssituation von Schülern
  • Belastungssituation von Eltern und Schule
  • Betreuungssituation von Schülern
  • Informationsfluss Behörde-Schule-Eltern und Lehrperson-Schüler
  • Digitale Lehr-Lern-Formate: Erfahrungen und Empfehlungen
  • Rolle Schulleitung
  • Rolle, Motivation, Kompetenzen von Lehrpersonen
  • Bedarfe, Bedürfnisse, Wünsche aus Sicht von Vertreterinnen von Eltern, Schülern, Mitarbeitenden, Schulleitung, Behörden/Verwaltung, Unterstützungssystem

Den kompletten Bericht können Sie hier herunterladen :

Infos unter:

www.Schul-Barometer.net

Presseerklärung, Forschungsbericht, Logo, Fotomaterial:

www.Schul-Barometer.net/Presse

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